Germany

OBJEKTBERICHT KUNSTWERKE BERLIN

(Kalbach/Berlin)

Ganz kurz und knapp heißt es "KW" - undgenauso nennen es die Berliner und ebenso finden Touristen über dieses Kürzel den Weg zu einem Gebäudekomplex, in dem der Verein KUNST-WERKE BERLIN beheimatet ist. Ursprünglich eine Margarinefabrik in der Auguststraße 69, gründeten in den 1990er Jahre Klaus Biesenbach und weitere Künstler das"Institute for Contemporary Art", das Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin-Mitte.

Ohne Frage gehört das KW zu einer der außergewöhnlichsten Kulturmetropolen Europas, hier werden künstlerische Entwicklungen und Visionen erforscht und der Öffentlichkeit präsentiert.Nicht alleine der Kunst wegen ist das KW beliebte Anlaufstelle in Berlin: Auch der Gebäudekomplex selbst bietet Anziehungspunkt für Besucher. Das denkmalgeschützte Vorderhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Fabrikanlage aus der Gründerzeit wurden Mitte der 1990er Jahre aufwändigsaniert und durch zwei Neubauten erweitert: Café Bravo,konzipiert von dem amerikanischen Künstler Dan Graham und realisiert in Kooperation mit der Architektin Hanne Nalbach, sowie einer klassischen "White Cube"-Ausstellungshalle des Berliner Architekten Hans Düttmann.

Darüber hinaus wurde festgestellt:

  • Trennrisse zwischen der Gebäudeabschlusswand und den Querwändendes Seitenflügels
  • Trennrisse in Mauerwerkswandflächen
  • Risse in den Kappendecken und den Kappentreppenläufen
  • Risse in den Fenstergewölbestürzen der Außenwände
  • Risse in den Kellerbögen unter den Querwänden der Seitenflügel

Status quo der Baukonstruktionen durch Arbeiten am Nachbarhaus

Seit ihrer Wiedereröffnung im Herbst 1999 steht dem KW eine Ausstellungsfläche von 2000 Quadratmetern über fünf Etagen zur Verfügung, außerdem sechs in den vorderen Seitenflügeln beherbergte Künstlerateliers und einer der schönsten Innenhöfe in Berlin-Mitte.
 
Bei Unterfangungsarbeiten an der Gebäudewand zum Nachbarhaus waren an den tragenden Gebäudeteilen erhebliche Rissschäden aufgetreten. Besonders betroffen war dabei der Seitenflügel, dessen Standsicherheit in Frage gestellt war. Zur Sicherstellung der Standsicherheit wurden zeitweise Sicherungsmaßnahmen durch gegurtete Rundstahlanker unterhalb der Kellergeschossdecke vorgesehen.

KW Berlin, Innenhof

Konzept zur Instandsetzung

Das Konzept sollte eine eigenständige Standsicherheit dauerhaft und nutzungsgerecht darstellen. Verantwortlich dafür zeichneten das Ingenieurbüro H.-P. Dreissig & K. Sowietzki sowie Architekt Dieter Bertel BAD, beide aus Berlin. Für die Umsetzung sollten ausschließlich Fachfirmen eingesetzt werden, dazu zählte auch das Unternehmen DESOI aus dem hessischen Kalbach. Die Tragfähigkeit bei den rissgeschädigten, druckbeanspruchten Bauteilen wie Kappendecken, Gewölbestürze und Bögen sollte durch kraftschlüssiges Verpressen der Risse gewährleistet werden, durch Vernadelung die gerissenen Teilflächen mit begleitender Mauerwerksergänzung. Für die Instandsetzung der Trennrisse im Bereich der Querwände, dazu gehören die Brandwand zum Nachbarhaus und die hofseitige Außenwand, sollten Betonstahlanker eingesetzt werden.

Umsetzung: Die Risse in den Kappendecken wurden kraftschlüssig verpresst. Bei Rissbreiten, die ein Verkeilen zulassen, wurden Risse beidseitig angekeilt. Bei vertikalen Verschiebungen der Rissufer mussten diese durch Ankeilen oder Anheben der Kappendeckenteile vor dem Verkeilen oder Verpressen ausgerichtet werden. Als Injektionsgut wurde ein mineralisch gebundener Mörtel verwendet, der auf baustofftechnologischen Kennwerten des Bestandsmauerwerks abgestimmt war. Die Treppenläufe wurden als aufsteigende Kappengewölbe ausgeführt, die Verpressung der Risse erfolgte analog zu den Instandsetzungen der Kappendecken.

Die Trennrisse in den Mauerwerkswänden wurden durch Vernadelung, also Bewehrung in den Lagerfugen instandgesetzt. Um die Zugfestigkeit der Wand wieder herzustellen, mussten alte Wanddurchbrüche oder gleichwertige Fehlstellen geschlossen werden. Die Nadeln mussten in den Lagerfugen der Mauerwerkswand mit mindestens 500 mm Einbindetiefe im Abstand von 25 cm beidseitig eingebaut werden. Für Rissverpressungen und Neuverfugungen wurde mineralisch gebundener Mörtel mit hohen Haftfestigkeiten und geringer Schwindneigung verwendet. Es wurden ausschließlich werksgemischte Trockenmörtel verwendet. Für den tragfähigen Verbund zwischen Außen- und Innenwänden wurden horizontal nichtrostende Stahlanker verwendet.

Die Endverankerung erfolgte auf der Außenwandseite über gekonterte Ankerplatten. Die Instandsetzung der rissbeschädigten Wandbereiche erfolgte analog zu den Ausführungen der Innenwände. Da Risse vorrangig in den Sturz- und Rüstungsbereichen vorhanden waren, musste die Instantsetzung der Stürze zeitgleich erfolgen. Zur Reaktivierung der vollständigen Gewölbewirkung mussten die Risse kraftschlüssig verpresst werden. Kappenrisse im Bereich der Längswände wurden kraftschlüssig verpresst.
Die geschädigten Kellerbögen wurden mit gegurteten Rundstahlankern gesichert. Zusätzlich wurden die Bögen durch Absteifungen im Scheitel entlastet. Die Risse in den Bögen wurden in Verbindung mit den anschließenden Kappendecken mit Epoxidharz verpresst bzw. ausgefüllt. Trennrisse zwischen den Außenwänden und den Kappendecken wurden vernadelt. Im Dachgeschoss wurden zusätzliche Mauerwerksverankerungen für die Dachkonstruktion eingesetzt.

Kontakt

Michael Engels
Geschäftsführer DESOI GmbH,
E-Mail: info@desoi.de

Herr Rolf Büchner
Verkauf
E-Mail: rbuechner@desoi.de

Fassade KW Berlin

Zahlen - Daten - Fakten

Architekt:
Dipl.-Ing. Dieter Bertel
Architekt BDA
Rosenorter Steig 7
13503 Berlin

Verarbeiter:
Ahle & Fischer & Co. Bau GmbH
Alt Kaulsdorf 39
12621 Berlin Kaulsdorf
www.bau-berlin.info

Material Spiralanker:

DESOI GmbH
Gewerbestraße 16
36148 Kalbach/Rhön

KUNST-WERKE Berlin

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Aufwändige Sanierung in Berlin-Mitte

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